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          Feuerwehrmuseum Nidda

    Das Feuerwehrwesen in der geschichtlichen Entwicklung

            von 1850 - 1950

Geschichten und Gedanken - Wie´s mal war

Ein Blick in die Geschichte der Niddaer Feuerwehr zeigt, mit wie viel Idealismus und Ideen die Kameraden in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs und danach für ihre Ausrüstung sorgten.

Der 88-jährige Niddaer August Wilhelm Aßmus, seit 72 Jahren Feuerwehr-Mitglied, und andere ehemalige Aktive erzählen von den Zeiten, in denen die Niddaer Feuerwehrleute sich einiges einfallen lassen mussten, um in Notzeiten einigermaßen ausgerüstet zu sein.

»Sogar 1949, in der schlechten Zeit, wurde der Feuerwehrball im Gästehaus am Kisselberg (heute Massagepraxis Schnepper) gefeiert, aber viel kleiner und einfacher als heute. An diesem Tag sind mehrere junge Kameraden in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten und gleich in die Einsatzabteilung aufgenommen worden, darunter auch ich mit meinen damals 16 Jahren. Ich war Dachdeckerlehrling im elterlichen Geschäft und wurde der Steigermannschaft zugeteilt. Als Ausstattung gab es für jeden von uns Uniform und Helm, gebraucht natürlich, Rettungsgurt, Seil und Handbeil.« Dazu kam der theoretische Unterricht und die praktischen Übungen, zum Teil auch zusammen mit den Wehren der damals noch selbstständigen Nachbarorte.

Die Geräte waren bescheiden, es gab ausklappbare Leitern aus Holz und in den Ortsteilen oft noch pferdegezogene Löschfahrzeuge. Die Schläuche waren noch aus reinem Hanf. Man dürfe sich aber nicht täuschen, meint Bernd Haas, der zusammen mit Mark André Holland und Sebastian Döll für die technische Instandhaltung im Feuerwehrmuseum zuständig ist: »Wenn sich das dichte Hanfgewebe vollgesogen hatte, hielt es einwandfrei«. 

Der Brandschutz wurde als Aufgabe aller Bürger gesehen. Haas: »Jeder Niddaer, der heiratete und einen Hausstand gründete, musste der FFW einen Löscheimer aus Leder spenden«.

Und wie sollte in solch knappen Zeiten ein motorisiertes Löschfahrzeug finanziert werden? Wohl gelang es 1941 der Stadt Nidda, an einen als Löschfahrzeug eingerichteten Mercedes-Lkw zu kommen, aber nur dank eines Zuschusses des Deutschen Reiches. Dafür waren Auflagen zu erfüllen: bei Fliegerangriffen in Frankfurt, Offenbach, Hanau, Kassel, Gießen musste eine Löschgruppe mit sechs Feuerwehrleuten, einem Gruppenführer und einem Fahrer gestellt werden. Aßmus erinnert sich: »Unser neues Löschfahrzeug war grün und hatte das Polizei-Hoheitszeichen auf den Türen, denn die Wehrleute hatten bei solchen Einsätzen Polizeigewalt. Löscharbeiten während und nach Luftangriffen waren lebensgefährlich: Beschuss, brennende und stürzende Häuser, dazwischen Menschen in Panik, zum Teil auch Stunden nach dem eigentlichen Angriff noch explodierende Blindgänger - die Niddaer Feuerwehr war froh, dass alle eingesetzten Kameraden wieder heil nach Hause kamen, wenn auch meist völlig ausgepumpt.«

Schon die Fahrten zum Einsatzort waren oft dramatisch. Wegen des Verdunkelungsgebotes musste ohne Licht gefahren werden. Bernd Haas, fünf Jahre lang in der Einsatzabteilung engagiert, erinnert sich an die Erzählung alter FFW-Kameraden: »Auch unsere Niddaer Löschgruppe hatte den strengen Befehl, direkt zu den Großstadt-Einsatzorten zu fahren. Unterwegs sahen die Kameraden brennende Häuser, Menschen, die dringend Hilfe brauchten - und mussten vorbeifahren. Manchmal wurde das Auto mit Steinen beworfen. Als wir es vor Jahren abgeschliffen und frisch lackiert haben, fanden wir zwei Dellen von Einschüssen«. Heute ist der Lkw top-gepflegt im Niddaer Feuerwehrmuseum zu sehen.

Auch als der Krieg zu Ende war, fehlte es der FFW an vielem. Da war Spürsinn gefragt und Aßmus weiß: »Couragierte Wehrleute um den damaligen Wehrführer Willi Mann holten sich die Genehmigung der amerikanischen Besatzer und der Stadtverwaltung und gingen auf den ehemaligen Militärflughafen Harb«. Das Dritte Reich hatte bei der militärischen Ausstattung auf gute Qualität geachtet. So kam die Niddaer FFW zu einem schweren Magirus-Löschfahrzeug mit Pumpe und sogar gummiertem Schlauchmaterial und einem Löschwassertank, damals Neuheiten in der Niddaer Ausstattung. Die Freude war groß, aber es stellte sich heraus, dass das damalige Spritzenhaus, heute Feuerwehrmuseum, für den Wagenpark zu klein war. »Wir mussten ein Stück anbauen - natürlich in Eigenleistung«, berichtet Aßmus.

Nicht jede Neuanschaffung stieß gleich auf Gegenliebe. Jahre danach beschloss der FFW-Vorstand, die alte, ausziehbare Holzleiter durch eine 16 Meter lange mechanische Stahlschiebeleiter zu ersetzen. Das erschien einigen Wehrleuten als ein Übermaß an luxuriösem technischem Fortschritt: »Das kostet uns und die Stadt viel zu viel Geld...« Der damalige Wehrführer und spätere Bürgermeister Wilhelm Eckhardt und sein Stellvertreter Walter Drott setzten sich durch: »Wenn auch nur einmal ein Menschenleben mit dieser Leiter gerettet wird, hat sich alles gelohnt!«

Ein paar Jahre später kam Alarm aus der Möbelfabrik C. Ringshausen auf der Harb. Ein Anstreicher war abgestürzt und hing im Rettungsgurt in 18 Metern Höhe am Kamin - eine lebensgefährliche Situation. Da schien die neue Metallleiter Gold wert und war doch noch zu kurz. Aßmus nahm kurz entschlossen eine vier Meter lange Holzleiter, stieg hoch, band sie am Metallmodell fest und so bekam der Verunglückte wieder Sprossen unter die Füße und damit stabileren Stand. Vorsichtig führte ihn Aßmus die Leiter hinunter. Gar nicht so einfach - der Mann zitterte am ganzen Leib und bedankte sich vielmals für die Lebensrettung. »Hat sich jetzt die Leiter gelohnt oder nicht?« fragte Eckhardt.

Immer wieder gab es für die FFW Nidda besondere Herausforderungen, zum Beispiel bei Bränden im Sägewerk Himmelsbach oder dem Nachfolgebetrieb Hornitex. Zu den anstrengendsten Aufgaben aber zählt Aßmus die Hochwassereinsätze, ganz extrem an Weihnachten 1967. Die Temperaturen stiegen damals innerhalb von zwei Tagen von 20 Minusgraden auf acht Grad plus. Es hatte zuvor im Oberwald stark geschneit, die Schneemassen schmolzen rapide. In Eichelsdorf etwa stiegen Eichelbach und Nidda so hoch, dass im Unterdorf das Wasser einen halben Meter hoch auf der Straße stand und die Keller vollliefen.

Auch Nidda war stark vom Hochwasser betroffen und die FFW hatte alle Hände voll zu tun. August Wilhelm Aßmus erzählt: »Am 24. Dezember mittags wurden wir alarmiert. Zuerst schafften wir Kühe, Schweine und anderes Getier in höher gelegene Ställe, zum Beispiel bei Landwirt Karl Orth in der Ludwigstraße. Dann gings zurück in den Bereich Mühlgasse, Hinkelsgasse, Schlossgasse, Raun, Auf dem Graben, Burgring, Erkerweg, der am stärksten betroffen war«.

Dort halfen sie den Leuten, Waschmaschinen, andere Wertgegenstände und Lebensmittel in die oberen Stockwerke zu bringen, denn das Wasser stieg ständig. Der Einsatz von Pumpen war da noch gar nicht möglich. Aßmus: »Wir Wehrleute haben die ganze Nacht gearbeitet. Meine Familie hatte sich gegen 23 Uhr schlafen gelegt, weil mein Vater meinte, in der Schillerstraße habe es noch nie Hochwasser gegeben. Ich kam gegen Morgen nach Hause und sah, dass unser ganzer Garten überflutet war. Das Wasser war bis knapp vor die Haustür gestiegen.« Als erstes rettete er die Hasen, die auf den Hinterbeinen an den Türgittern standen und den Kopf über das Wasser streckten.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag fuhren sie mit allen möglichen verfügbaren Lastwagen den Müll weg. Auf den Ladeflächen waren verdorbene Lebensmittel, Möbelstücke, triefende Teppiche und Fußbodenbeläge lagen durcheinander und wurden im alten Steinbruch Michelnauer Lache entsorgt. Dieses Weihnachten blieb den Wehrleuten lange in Erinnerung.

 

75 Jahre Kreisfeuerwehrverband Gießen Oldtimer Parade

Die Feuerwehr im Landkreis Gießen feiert mit einer großen Oldtimer-Parade am Sonntag, 4.7., ihr Jubiläum. Der Kreisfeuerwehrverband wird 75 Jahre. Dafür haben sich die Feuerleute etwas Besonders ausgedacht: 75 Feuerwehr-Oldtimer fahren kreuz und quer durch den Landkreis auf einer Strecke von insgesamt 75 Kilometern - für jedes Jahr eines. Start ist um 10 Uhr in Krofdorf-Gleiberg, dann geht es durch viele Gemeinden unter anderem durch Laubach und Lich bis nach Grünberg. Zu Sehen sind alte Feuerwehrautos, Tankfahrzeuge oder auch Mannschaftsbusse - zu Hören sind alte Martinshörner und Motoren. Feuerwehr Oldtimer, magirus deutz, Mercedes

 

Quelle: YouTube

Längster Oldtimer Festzug Hessens

Der Kreisfeuerwehrverband des Landkreises Gießen wird 75 Jahre alt, aus diesem Anlass feierte er seinen Geburtstag mit einer großen Oldtimer-Parade. Dafür kamen zahlreiche Feuerwehr-Oldtimer, welche auf einer Strecke von insgesamt 75 Kilometern durch den Lankreis fuhren. Los ging es in Krofdorf-Gleiberg, wo der stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Lothar Theis die Teilnehmer des Festzugs aus ganz Hessen begrüßte. »Ich wünsche, dass alle Fahrzeuge auch am Ziel in Grünberg ankommen.« In den Ortschaften, welche der Zug passierte, fanden sich zahlreiche Oldtimerfreunde und sonstige Zuschauer ein. Die eintreffenden Fahrzeuge wurden bejubelt, bestaunt und fotografiert.

Chronik des Feuerwehrmuseum Nidda

Das Niddaer Feuerwehrmuseum ist das einzige seiner Art im Wetteraukreis, eines von vier ähnlichen Einrichtungen in Hessen und von 35 in ganz Deutschland. Gegründet und Organisiert von Klaus Dickel, welcher zusammen mit der damalige Bürgermeisterin Lucia Puttrich im Jahr 2006 das 165 Jahre alten Grebäude und ehemaligen Spritzenhaus in der Gerbergasse 2, seiner neuen Bestimmung zugeführte. Als mehrstöckiges Fachwerkhaus einst durch die Niddaer Familie Reuning-Ludwig errichtet, diente es über eine Zeitspanne von rund 65 Jahren als Wohnhaus und wurde 1901 nach längerem Lehrstand von der Stadt Nidda erworben. Fünf Jahre später entschlossen sich die damaligen Ratsherren, das Haus zu einem Spritzenhaus umzubauen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde auch ein Schlauchturm errichtet und es wurden zwei Schuppen angebaut. Als Geschenk der Stadt zum 30. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Nidda fand am 2. Juni 1907 die feierliche Einweihung des Spritzen- oder auch Feuerlöschgerätehauses statt. Exakt 70 Jahre lang beherbergte das Gebäude Fahrzeuge und Ausrüstungen der Einsatzabteilung.

Schließlich fehlte es in dem ehemaligen Wohnhaus an Platz und sachgerechten Unterbringungsmöglichkeiten für Fahrzeuge und das zunehmend komplexere technische Equipment sowie an Schulungsräumen. 1977, genau 70 Jahre nach ihrem Einzug, verließ die Feuerwehr ihr historisches Domizil am Marktplatz und zog in den neuen Feuerwehrstützpunk.

In den Jahren danach diente das Haus unter anderem als Sitz der DRK-Bereitschaft, später als Kleinmarkthalle. Knapp 30 Jahre nach ihrem Auszug, nämlich 2006, nahmen die Stadt und die Feuerwehr das historische Spritzenhaus erneut in Besitz - rund 780 Arbeitsstunden wandten die Feuerwehrkameraden seinerzeit zur Renovierung des Gebäudes auf und erhielten dabei viel Unterstützung aus der Bevölkerung.

Das Niddaer Feuerwehrmuseum dokumentiert die Entwicklung des Feuerwehrwesens zwischen circa 1850 und 1950 in der Gemeinde. Das hier versammelte Wissen soll an Besucher aller Generationen weitergegeben werden. Vor allem an verkaufsoffenen Sonntagen oder bei Festen auf dem Marktplatz und erst Recht bei den beliebten Oldtimertreffen mit historischen Feuerwehrfahrzeugen von nah und fern erhält das Feuerwehrmuseum regen Zuspruch.

Viele Fahrzeuge und Gerätschaften, Figuren in Einsatzkleidung, historische Fotos und Dokumente sprechen für sich, zudem gibt es Infotafeln. Allein das Gewicht der historischen Spritzenfahrzeuge lässt erahnen, unter welchem großen körperlichen Einsatz früher die Löscharbeiten abliefen.

Erste organisierte Feuerwehren sind bereits im antiken Ägypten und dem alten Rom nachweisbar. Im Mittelalter oblagen Brandschutz und Brandbekämpfung der Bürgerwehr, den Innungen und Zünften. Als Signalgeber dienten Turmwachen und Nachtwächter, die die Bevölkerung mit dem Alarmruf 'Feurio!' aus dem Schlaf rissen. Von ersten Berufsfeuerwehren kann man sprechen, sobald der "Feuerknecht" als eigener Berufsstand auftaucht und es Feuerlöschverordnungen gibt. Die ersten Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland entstanden um 1850 und rekrutierten sich vielfach aus den Mitgliedern der damals ebenfalls noch jungen Turn- und Sportvereine. Löschen und Brandbekämpfung war damals körperliche Schwerstarbeit, selbst wenn die Spritzenwagen mit Pferden zum Brandort gefahren werden konnten, mussten sie mit menschlichem Krafteinsatz präzise justiert werden.

Das älteste Stück des Feuerwehrmuseums ist ein Löscheimer, der zirka 1680 aus Stroh gebunden und mit Ton oder Lehm ausgekleidet wurde. Unmittelbar daneben befinden sich zwei etwa 200 Jahre jüngere lederne Löscheimer aus Nidda und Stornfels, auch die Schläuche waren ursprünglich aus Leder, Bekleidung und Ausrüstung durchaus zweckmäßig, jedoch weit von heutiger Effektivität und dem so wichtigen Selbstschutz für die Einsatzkräfte entfernt, wie man an den entsprechend bekleideten Schaufiguren gut erkennen kann. "Wasserdicht ausgekleidete Stroh-, später Ledereimer waren ab dem Mittelalter die einfachsten 'Feuerlöscher', die im Brandfall von Hand zu Hand weitergereicht wurden, wobei die Menschen eine Kette vom Wasserreservoir bis zur Brandstelle bildeten. Ein Löscheimer gehörte deshalb zwingend in jeden Haushalt und wurde auch in Nidda jungen Paaren bei der Eheschließung überreicht. An heimische Brandschutztechnik oder Rauchmelder war damals nicht zu denken.

Von einfachen Holzleitern und Einreißhaken über dampf- und schließlich motorbetriebene Spritzen ging die rasante Entwicklung bis zum Löschgruppenfahrzeug LLG. Das Prunkstück steht gleich im offenen Eingangstor des Feuerwehrmuseums am Niddaer Marktplatz: Das Löschgruppenfahrzeug LLG, 1941 gebaut bei Daimler-Benz in Mannheim, ist der ganze Stolz. Die ersten Jahre verbrachte das Fahrzeug der Feuerlöschpolizei im Ferneinsatz der Feuerwehr Nidda, nämlich bei Luftangriffen in Frankfurt und Offenbach, Kassel, Gießen, Hanau, Friedberg und Mannheim - wo es auch beschossen wurde und ein paar Löcher im Heck davontrug. Nach 1945 wurde es feuerrot gespritzt und diente der Feuerwehr Nidda weiter bis 1981. Dabei wurde so mancher Großbrand erlebt, zum Beispiel bei der Firma Himmelsbach auf dem späteren Hornitex-Gelände. Seit 1981 war das Fahrzeug ausgemuster und wurde in einjähriger Arbeit von vielen Feuerwehrkameraden in den Auslieferungszustand von 1941 zurückversetzt und fand im Feuerwehrmuseum ein bleibendes Zuhause.

Das Feuerwehrmuseum fungiert auch als Außenstelle des Standesamtes Nidda und wird vor allem für Trauungen in den Reihen der Wehr gerne genutzt.

Das Niddaer Feuerwehrmuseum ist von März bis Dezember jeweils am ersten Sonntag im Monat von 13 bis 15 Uhr sowie nach Terminvereinbarung geöffnet. Museumsleiter Bernd Haas ist unter der Rufnummer 06043/1754 erreichbar. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird aber gern entgegengenommen.