Wie die Feu­er­wehr frü­her ar­beit­ete...

Zahl­rei­che Be­su­cher und Aus­stel­ler fol­gen Ein­la­dung des Stadt­feu­er­wehr­ver­bands nach Nid­da.

Es knallt laut auf dem Nid­da­er Markt­platz, gleich meh­re­re Ma­le in Se­rie. Ex­plo­sio­nen? Wo­mög­lich ein ge­hei­mer Zünd­ler? Nein, ei­ne Druck­kraft­sprit­ze aus dem Jahr 1968 mit Zwei­takt­mo­tor aus dem Nid­da­er Feu­er­wehr­mu­se­um, die ty­pi­sche Start­ge­räu­sche von sich gab. Über 40 Aus­stel­ler wa­ren der Ein­la­dung des Stadt­feu­er­wehr­ver­ban­des Nid­da zum Mu­se­ums- und Old­ti­mer­fest ge­folgt. Ei­ne Feu­er­wehr­aus­stel­lung un­ter frei­em Him­mel zog sich in Nid­das Neu­er Stra­ße bis zum Markt­platz hin. His­to­ri­sche Lösch­grup­pen­fahr­zeu­ge, An­hän­ger, Dreh­lei­tern, Trag­kraft- und Hand­druck­sprit­zen, auch Ein­satz­wa­gen des Tech­ni­schen Hilfs­werks und der Jo­han­ni­ter aus mehr als 100 Jah­ren stan­den auf­ge­reiht.
Im Zu­ge des Stadt­ju­bi­lä­ums galt es, ei­nen „Ge­burts­tag“ zu fei­ern: Seit zehn Jah­ren be­steht das Feu­er­wehr­mu­se­um als ein­zi­ges im Wett­er­au­kreis. Klaus Di­ckel, sei­ne Stell­ver­tre­ter Bernd Haas und Marc-And­ré Hol­land be­treu­en eh­ren­amt­lich das Mu­se­um und die Be­su­cher. Pos­ter in­for­mier­ten über tech­ni­sche Aus­stat­tung und Da­ten der aus­ge­stell­ten Fahr­zeu­ge. Es sind Au­tos mit Schi­cksa­len: Ein his­to­ri­sches Fahr­zeug, Bau­jahr 1972, hat­te noch die Auf­schrift FFW Luis­ent­hal/Thü­rin­gen auf der Tür. Es war da­nach in Ko­rea im Ein­satz und kam schließ­lich in die Wet­ter­au zur Feu­er­wehr nach Pet­ter­weil, de­ren Old­ti­mer­freun­de es res­tau­rier­ten.

Schon vor der of­fi­ziel­len Er­öff­nung wim­mel­te es um den Markt­platz he­rum von Be­su­chern. Stadt­brand­in­spek­tor Mat­thi­as Hol­land fühl­te sich durch die vie­len Gäs­te an die gro­ße Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung vor zehn Jah­ren er­in­nert. „Lie­be Feu­er­wehr­ka­me­ra­den, eu­er Mu­se­um ist ein Aus­hän­ge­schild der Stadt Nid­da. Dan­ke für die­sen in­for­ma­ti­ven Tag“, sag­te Bürg­er­meis­ter Seum bei der Be­grü­ßung.
Oldtimerausstellung 15.05.2017Oldtimerausstellung 15.05.2017Oldtimerausstellung 15.05.2017

Die Fau­er­ba­cher Wehr zeig­te ei­ne Übung nach der Feu­er­wehr­dienst­vor­schrift von 1905 – da wur­de al­lein mit Mus­kel­kraft ge­ar­bei­tet. Das Fahr­ge­stell der Hand­druck­sprit­ze von 1872 hat ei­sen­be­schlag­ene Holz­rä­der, da­rauf steht ei­ne of­fe­ne Me­tall­wan­ne mit Pum­pe teils aus Kup­fer, teils aus Mess­ing. In al­ten Zei­ten wur­de vom näch­sten Brun­nen oder Ge­wäs­ser ei­ne Ei­mer­ket­te ge­bil­det, al­le am Brand­herd muss­ten mit­hel­fen, die Sprit­ze zu be­fül­len. Zahl­rei­che Schau­lus­ti­ge am Markt­platz war­te­ten ge­spannt. In All­tags­klei­dung – wie da­mals –, mit Stahl­schutz­helm auf dem Kopf, sam­mel­ten sich Fau­er­ba­cher Wehr­leu­te um Eh­ren­wehr­füh­rer Ot­fried Nies. Laut schall­ten sei­ne Kom­man­dos: „An­tre­ten! Richt’ euch! Durch­zäh­len! In Be­reit­schaft an die Pum­pe! Pump­mann­schaft Was­ser marsch! Pump­mann­schaft Ab­lö­sung!“ Kräf­ti­ge Män­ner zo­gen den Schwen­gel auf und ab, im Ne­ben­gäs­schen kam das Was­ser aus dem Schlauch. Schließ­lich konn­te Nies mit kräf­ti­gem „Was­ser halt! Ab­marsch!“ die Übung be­en­den, Bei­fall brau­ste auf.

Ei­nen Re­gen­schau­er zwi­schen­durch steck­ten die Wehr­leu­te und die Gäs­te weg. Hung­ri­ge Gäs­te wur­den aus der Gu­lasch­ka­no­ne oder vom Grill ver­sorgt, die Kin­der amü­sier­ten sich auf der Hüpf­burg. Spä­ter brach­te die Ober­hes­si­sche Dampf­mu­sik schmis­si­ge Me­lo­di­en.

Ei­ne Ju­ry aus Ot­fried Hart­mann, Eh­ren­stadt­brand­in­spek­tor Adi Jä­ger, Kreis­brand­meis­te­rin Ul­ri­ke Schnei­der (Ge­dern) und Tho­mas Kirch­ner (Ein­satz­ab­tei­lung Nid­da) be­wert­ete die aus­ge­stell­ten Fahr­zeu­ge, An­hän­ger und Ge­rä­te. Kri­te­rien wa­ren das Bau­jahr, der Zu­stand der La­ckie­rung, die Res­tau­ra­ti­on mit Ori­gi­nal- oder Neu­tei­len und der Er­halt der Funk­ti­ons­fä­hig­keit.

Als Hö­he­punkt sam­mel­ten sich Of­fi­ziel­le aus Po­li­tik und Feu­er­wehr zur Preis­ver­lei­hung. Nid­das Feu­er­wehr-Vor­sit­zen­der Ernst Lud­wig Kes­sel dank­te al­len Hel­fern und aus­stel­len­den Gäs­ten. Per­sön­lich war die An­spra­che von Schirm­her­rin Lu­cia Put­trich, die 2006 als Bürg­er­meis­te­rin mit den städ­ti­schen Gre­mien den Plan der Mu­se­ums­grün­dung un­ter­stützt hat­te. Ju­bel kam von den zahl­rei­chen Zu­hö­rern, als Put­trich Mu­se­ums­ini­ti­ator und -lei­ter Klaus Di­ckel dank­te. Auch Bürg­er­meis­ter Hans-Pe­ter Seum sag­te: „Klaus Di­ckel lebt das Feu­er­wehr­mu­se­um.“

Er sei stolz auf die Leis­tun­gen der Feu­er­wehr und auf das ge­lun­ge­ne Fest. Zwölf Aus­stel­lern wur­den Po­ka­le für ih­rer Ex­po­na­te über­ge­ben. Die höch­ste Aus­zeich­nun­gen gab es für DL 25, ei­ne his­to­ri­sche Dreh­lei­ter aus Bruch­sal, ver­bun­den mit ei­nem Preis für die wei­tes­te An­rei­se. Es folg­ten ein SKW 2000 Schlauch-Kraft­wa­gen aus Or­ten­berg, ein TLF Tank­lösch­fahr­zeug aus Grün­stadt und ei­ne TS Saug-Druck­sprit­ze aus War­burg von 1934, voll res­tau­riert und in ge­brauchs­fä­hi­gem Zu­stand.
Quelle: Kreis-Anzeiger vom 15.05.2017

 

Im Feuerwehrmuseum sind von Mai bis September auch Eheschließungen möglich.
Die Terminabsprache erfolgt über das Standesamt.
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